Das Brazilian Jiu-Jitsu in Europa

Vergangenheit – Wie alles anfing!

Es wird oft behauptet, dass unser Jiu-Jitsu (Ju-Jutsu) aus der Zeit der Samurai stammt. Das ist jedoch falsch, denn während der Samurai-Zeit hatten diese Krieger ganz andere Mittel, um zu kämpfen. Stellen Sie sich vor, ein Samurai hätte einen Zweikampf mit der schweren und komplexen Kampfausrüstung geführt.

Tatsächlich entstand das Jiu-Jitsu um die Jahre 1900–1910, als die ersten japanischen Meister nach Europa kamen und später weiter nach Südamerika gingen, um dort ein besseres und sichereres Leben zu führen.

Selbst das Wort «Jiu-Jitsu» (oder auch «Ju-Jutsu») entstand hier im Westen, um der «flexiblen» bzw. «anpassenden» Kampfkunst einen Namen zu geben. In Europa gab es damals bereits die Chinesen mit ihrem Kung-Fu (oder eben auch Gung-Fu) und die wenigsten konnten den Unterschied erkennen oder verstehen. Aus den chinesischen Kampfkünsten entstanden in Marseille die ersten Savate- (oder Chausson-) Kickboxschulen, in denen zahlreiche Adlige trainierten, um sich auf den Strassen gegen Überfälle zu verteidigen.

Als dann die Japaner kamen, wollte man sich diese Kampfkunst aneignen, die später auch als «sanfte Kunst» (Bras. Arte Suave) bekannt wurde. Interessanterweise begeisterte diese Kampfkunst Frauen viel mehr als andere Künste wie Boxen, Savate oder Ringen, die im Westen ebenfalls stark vertreten waren.

Nachdem man in Japan das Schwert niedergelegt und zahlreiche Kriegskünste (Bujutsu) verboten hatte, gingen die meisten dieser Schulen (Ryu) unter und fanden keinen anderen Weg, als sich im Westen neu zu erfinden. So entstand auch die Kampfkunst Jiu-Jitsu neu.

Zahlreiche junge Meister kamen mit der Hoffnung, ihr wertvolles Wissen weiterzugeben, zu uns. Oft waren es sogar die Söhne der alten Grossmeister, die nach Europa kamen. Das Interesse an ihnen als Kampfexperten war gross geworden, was auch in ganz Asien rasch zur Kenntnis genommen wurde. So fanden die jungen Meister, die oft nur über wenig Können und Unterrichtserfahrung verfügten, einen guten Job als Ausbilder bei der Polizei oder als einer Art «moderne 007-Butler» bei jemandem, der sich dies leisten konnte.

Nachdem sich Jiu-Jitsu in Europa etabliert hatte, zogen einige von ihnen weiter nach Südamerika, wo es eine grosse Zirkus- und Kampfshow-Kultur gab und sie als Zweikampfexperten gut bezahlt wurden. In Brasilien waren zahlreiche Zirkusse unterwegs, viele davon in den Händen von Europäern, insbesondere Italienern, Spaniern und Portugiesen, die sich dort niedergelassen hatten. Oft blieben sie nicht nur in Brasilien, sondern wanderten durch ganz Südamerika; Argentinien und Mexiko waren ebenfalls geliebte Destinationen.

Spanien hatte verschiedenen japanischen Jiu-Jitsu-Meistern eine neue Heimat gegeben, darunter auch dem berühmten Mitsuyo Maeda, der seinen Spitznamen «Conde Koma» in Sevilla erhielt, als er unter anderem als Kämpfer unterwegs war, um Geld zu verdienen. Maeda war nicht der erste Japaner, der nach Brasilien reiste, aber sicher einer der ersten, die in diesem Land das Jiu-Jitsu auch den Einheimischen und nicht nur den eigenen Landsleuten beibrachten.

Maeda soll um das Jahr 1914 herum in Belém do Pará angekommen sein. Gemeinsam mit seinen Freunden, die ebenfalls junge Jiu-Jitsu-Experten aus seinem Heimatland waren, reiste er durch Südamerika und liess sich dann später für immer nieder.

Gemeinsam mit seinem engsten Freund Satake, der den Spitznamen «Schwarzer Bauch» trug, soll er auch die ersten Jiu-Jitsu-Schulen gegründet haben. Man erzählte sich, dass der ältere Satake ein ausgezeichneter Lehrer der «Arte Suave» gewesen sei. Im Gegensatz zu Maeda war Satake ein besserer Kämpfer. Er machte sich einen ausgezeichneten Namen, indem er das Jiu-Jitsu in den verschiedensten Theatern Brasiliens präsentierte und stets bereit war, sein Wissen und Können unter Beweis zu stellen. So kämpfte er gegen zahlreiche Kampfsportler, darunter Ringer, Capoeira-Experten, Boxer und andere Preisgeldsuchende.

Master Mitsuyo Maeda and his Jiu-Jitsu students in Belem do Para, Brazil

Als Satake nach Japan zurückging, um sein Vaterland im Ersten Weltkrieg zu unterstützen, wie es viele andere taten, entschied sich Maeda, in Brasilien zu bleiben und die Schule von Satake als Meister zu übernehmen. Unter seinen Schülern befanden sich einige sehr begeisterte und fleissige Brasilianer, die bei Satake ein hohes Können erlangt hatten und Maeda nun als Assistenten beim Jiu-Jitsu-Unterricht unterstützten.

Einer von ihnen war Pires dos Reis, ein junger, ehrgeiziger Mann, der eine wichtige Position innerhalb der Nationalpolizei besetzte. Er führte das Jiu-Jitsu in die Polizei und gründete eines der ersten Ausbildungsmodelle für Polizeikräfte, das später im ganzen Land zum Pflichttraining wurde.

Pires gründete auch die erste Jiu-Jitsu-Akademie in Rio de Janeiro. Im Jahr 1925 bekam er eine Position als Haupttrainer der Polizei in dieser Stadt. Auch er war nicht der erste Brasilianer, der eine Jiu-Jitsu-Schule in Rio gegründet hatte. Zur Unterstützung nahm er sich die jungen Gracies Carlos, George und Hélio, die alle drei bei ihm mit dem Jiu-Jitsu-Training – und nicht bei Maeda, begonnen hatten. George blieb nicht lange in Rio, da er sich von der Familie, insbesondere von Carlos und Hélio, trennen wollte, um seinen eigenen Weg zu gehen. So ging er nach São Paulo, wo er unter anderem bei Geo Omori, einem japanischen Jiu-Jitsu- und Ringer-Experten, einen neuen Lehrmeister fand.

Hélio und Carlos hingegen blieben bei Pires. Im Jahr 1936 übernahmen sie dann Pires Schule, da er einen neuen Ausbildungsauftrag in Fortaleza annahm. Hélio und Carlos benannten ihre Schule in «Academia Gracie de Jiu-Jitsu» um. Mitte der 40er Jahren, als der zweite Weltkrieg stattfand, geriet Carlos mit dem Gesetz in Konflikt und musste sogar Rio de Janeiro für eine ganze Weile verlassen. Man erzählte sich u.a., dass er nach Argentinien geflohen sei, und dort ein Ernährungswissenschaftler kennen gelernt haben soll, und nach seiner Rückkehr die «Gracie Diät» entwickelt haben soll. Schriftlich dokumentiert existiert darüber jedoch nichts.

Hélio Gracie musste von einem Moment auf den anderen nicht nur die Schule leiten, sondern auch die grosse Familie ernähren, so erinnert sich mein Lehrmeister Pedro Hemetério. Carlos hatte die Gewohnheit, stets eine neue und junge Frau haben zu wollen, und so kam es, dass er am Ende 21 Kinder hatte. Natürlich war er nicht immer der leibliche Vater dieser Kinder, sondern sie wurden oft durch die neue Ehe in die Familie eingebracht.

Da die Schule in den Händen von Hélio ganz gut funktionierte, war Carlos nun in ganz Brasilien unterwegs. In Belém do Pará schaltete er eine Anzeige in der Tageszeitung, in der er sich als Jiu-Jitsu-Experte bekannt machte und den Teilnehmenden, die den vollständigen Kurs bei ihm bestanden, eine Position als Trainer in seiner Jiu-Jitsu-Schule in Rio de Janeiro anbot. «Zahlreich kamen sie aus verschiedenen Regionen, um diese Möglichkeit wahrzunehmen», erinnert sich mein Meister Hemetério, der damals ebenfalls an dieser sehr intensiven Ausbildung teilnahm. «Sie dauerte ein Jahr und am Ende waren nur noch zwei von uns übrig!», so Pedro weiter. Am Schluss erhielt Pedro nicht nur den Schwarzgurt durch Carlos Gracie, sondern auch eben die versprochene Stelle an der Schule in Rio, an der Seite von Hélio Gracie.

Durch die Jahre der Zusammenarbeit wurden Hélio und Pedro sehr gute Freunde und die Familie nahm ihn als «Onkel Pedro» auf. Carlos blieb weiterhin ausserhalb von Rio de Janeiro, sodass der neue Patriarch Hélio anfing, seinen eigenen Unterrichtsweg zu gehen, um mehr Mitglieder zu gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt entwickelten sie gemeinsam das Klassenprogramm, da sie praktisch nur Privatunterricht in Kleingruppen gaben.

Im Vordergrund stand die Selbstverteidigung, denn es gab noch keine Sport-JJ-Wettkämpfe, wie man sie heute kennt. Dies änderte sich erst mit der Neugründung des Jiu-Jitsu-Verbands in Rio de Janeiro in den 60er Jahren durch Hélio Gracie, Hélio Vigio und Pedro Hemetério. Die Lektionen und Techniken wurden so zusammengestellt, dass die Schüler die Grundprinzipien lernten und die Techniken an ihre körperlichen Fähigkeiten anpassen konnten, anstatt unzählige Techniken auswendig zu lernen.

Um das Jiu-Jitsu im ganzen Land weiter zu fördern, blieben Hélio, Pedro und die neue Generation der Gracies – darunter Rolls und Carlson – sowie Nicht-Gracies wie Ivan Gomes, der die Schule mit Carlson an der Copacabana gründete, aktiv. Während Hélio noch sehr intensiv im Namen seiner Familie und des Jiu-Jitsu im Vale-Tudo-Kampfring stand, war Pedro der Haupttrainer. So kam es, dass die Mehrheit der neuen Generation durch ihn ausgebildet wurde.

Als George Gracie in São Paulo immer mehr Schüler gewann, verlangte sein jüngerer Bruder Hélio, dass er nach Rio de Janeiro zurückkehren müsse, um ihn zu unterstützen. Doch George hatte es sich nicht leicht gemacht, dorthin zu gelangen, wo er nun war, und so blieb er weiterhin in São Paulo an der Seite von Geo Omori. Hélio entschloss sich schliesslich, seinen eigenen Bruder George gegen seinen besten Vertreter Pedro Hemetério in einem Jiu-Jitsu-Kampf antreten zu lassen. «Ich konnte mich nicht gegen Hélios Entscheidung stellen, denn er war mein Meister», erzählte mir Pedro, «aber die ganze Situation gefiel mir gar nicht, denn er war eben auch der älterer Bruder von Hélio.»

So standen sie sich schliesslich gegenüber. Pedro hatte sich gut vorbereitet, während George glaubte, besser zu sein. Doch Pedro gewann den Kampf schnell für sich. Am gleichen Abend trat eine Interessentengruppe an Pedro, und fragte ihn, ob er nun in São Paulo bleiben würde, um dort sein Jiu-Jitsu zu unterrichten. Diese Gruppe half ihm nicht nur, einen Ort für den Unterricht zu finden, sondern stellte ihm auch eine Wohnung bereit, sodass er praktisch sofort nach São Paulo ging und sich dort für immer niederliess.

Es dauerte nicht lange, und die Schule von George Gracie wurde geschlossen – da auch sein Lehrmeister Omori gestorben war, und so kehrte er nach Rio zurück, wo er jedoch nie wieder den Kimono trug. Die Schule von Professor Pedro wurde hingegen die offizielle Vertretung des Hélio Gracie Jiu-Jitsu in São Paulo. Die Verbindung zu Rio de Janeiro wurde jedoch immer schwächer, da auch dort die nächste Generation neue Pläne für die Zukunft des modernen (Brazilian) Jiu-Jitsu hatte.

In ganz Brasilien entstanden neue Schulen, teils der Gracies, teils ihrer Meisterschüler, teils anderer Linien aus der Generation der ersten und zweiten japanischen Immigrationswelle. Durch das (neue) Judo aus dem Haus Kodokan in Tokio entstand eine weitere «Konkurrenz». Aber auch das Kung-Fu und Karate war nun in Brasilien angekommen, so dass vermehrt die Vale-Tudo-Kämpfe auch im weissen Kimono zu sehen waren. Die Japaner bezeichneten das Jiu-Jitsu oft auch als «brasilianisches Judo», um ihre höhere Position in der Gesellschaft zu unterstreichen. In der Zwischenzeit war das brasilianische Jiu-Jitsu jedoch bereits so gut und stark verbreitet, dass es sogar in Japan von Topathleten aus dem Ringen und Grappling geübt wurde.

Zukunft – Hier und Jetzt!

Wie ich schon beschrieben habe, wurde der erste Jiu-Jitsu-Verband Mitte der 60er Jahre in Rio de Janeiro (Guanabara) gegründet. Die Gründungsmitglieder legten die Gürtelgrade, die Gewichtsklassen für Wettkämpfe, ein einfaches Punktesystem, die Kampfzeiten und alles andere fest. So fanden die ersten offiziellen Jiu-Jitsu-Turniere statt, die später auch von zahlreichen Judokas besucht wurden – allerdings mit wenig Erfolg.

So entwickelte sich das BJJ zu einem eigenständigen und gut organisierten Kampfsport. Durch den Generationswechsel, als Carlos Gracie Junior den Verband in Rio neu organisierte und später daraus den Internationalen BJJ-Verband (IBJJF) entstehen liess, erfuhr der Sportwettkampf im Jahr 1996 einen weiteren Aufschwung, der massgeblich dem Erfolg von Royce Gracie, dem Sohn von Hélio Gracie, im UFC zu verdanken ist.

In den 1980er Jahren wanderte einer der älteren Söhne von Hélio, Rorion Gracie, in die USA aus. Nach einem kurzen Aufenthalt in New York entschloss er sich, nach Kalifornien zu reisen, um dort unter der warmen Sonne das Jiu-Jitsu seines Vaters zu fördern. Doch in Kalifornien stiess er auf grossen Widerstand, denn hier war die Professional Karate Association (PKA) mit ihren starken Schulen und einer eigenen TV-Show gut vertreten. Durch das Surfen kam Rorion mit verschiedenen Brasilianern in Kontakt. Durch einen Freund der ebenfalls Jiu-Jitsu in Rio trainiert hatte, gelang es ihm, eine Doppelgarage zu bekommen, in der er ein paar Matten auslegen und somit seine ersten Lektionen geben konnte.

So entstand die bekannte und allererste Gracie Garage und somit auch die Verbreitung des Gracie Jiu-Jitsu in der Welt. Es dauerte nicht lange, und Rorion hatte eine grosse Warteliste von Interessenten, die unbedingt sein brasilianisches Jiu-Jitsu erlernen wollten – darunter auch ich. Es dauerte auch nicht lange, und Rorion gründete in Torrance (Los Angeles) die erste offizielle Gracie-Jiu-Jitsu-Academy. Für uns alle wurde dieser Ort in den 90er Jahren die Hauptquelle des authentischen BJJ.

Franco Vacirca & Royce Gracie – Cyprus Jiu-Jitsu Camp 2026

Da ich in regelmässigen Abständen aus der Schweiz (ab 1991) an der Academy in Torrance trainierte, nahm ich auch die Möglichkeit wahr, unter anderem bei Rorion und gleichzeitig bei Royce zu trainieren. Gelegentlich war ich auch bei anderen auf dem Tatame, wobei Royce zu meinem Hauptlehrer wurde – sei es im Privatunterricht oder in den offenen Klassen, die morgens und abends stattfanden.

Es war kein einfaches Unterfangen, in das ich mich eingelassen hatte, aber ich nahm es vom ersten Moment an sehr ernst, das Gracie Jiu-Jitsu zu erlernen. Ich hatte auch meine Zeit, insbesondere zwischen 1996 und 2004, in der wir uns auch mit dem BJJ-Sportwettkampf auseinandersetzten. So trainierte ich parallel auch bei den Cousins der Gracies, die Machado Brüder – insbesondere bei Rigan, John und Roger. Dies blieb jedoch eine Phase, denn für mich war der Aspekt der Selbstverteidigung und die körperliche Fitness durch das Jiu-Jitsu viel wichtiger.

John Machado – Vacirca Brothers – Rigan Machado, Redondo Beach – California

Als Royce Gracie im UFC im Oktagon stand, war das Vale-Tudo (MMA) für mich nicht so wichtig, denn ich erkannte schnell, dass es den Amerikanern nicht um das Jiu-Jitsu ging, sondern darum, den nächsten «Superman des Kampfsport» zu finden. Rorion verkaufte das UFC auch ziemlich schnell wieder, für eine Million Dollar hiess es. Wir aber waren nicht wegen des UFC da, sondern wegen Royce Gracie und dem Brazilian Jiu-Jitsu.

Mein Gracie Jiu-Jitsu hat sich in den letzten Jahren wohl nicht viel verändert, da ich mich weiterhin als Schüler von Royce Gracie betrachte. In der Zeit, als ich bei Pedro Hemetério trainierte, fing ich meiner Meinung nach wieder von vorne an, auch wenn ich damals bereits als anerkannter Schwarzgurtträger meine eigene Jiu-Jitsu-Schule in Zürich führte. Ich würde sagen, dass meine GJJ-Laufbahn erst richtig anfing, als ich den Blaugurt erhielt.

Ich gelang eigentlich durch Hélio Gracie zu Professor Pedro in Sao Paulo, als ich gerade in Rio de Janeiro an der Gracie Humaita, beim Grossmeister persönlich, trainierte und ihn fragte, wo ich seiner Meinung nach, am besten zu einem guten Instruktor, ausbilden lassen soll. Er meinte dann, hier bei meinem Sohn Royler, in Kalifornien bei Rorion, oder bei Pedro Hemetério in Sao Paulo, wo meine Reise anschliessend mich auch hinbrachte.

Grandmaster Pedro Hemetério (RIP) – Sao Paulo, Brazil

Ich wusste, dass es keine leichte Aufgabe sein würde, Brazilian Jiu-Jitsu in der Schweiz – mit der Gründung meiner Schule in Zürich im Jahr 1995 – und in Europa zu etablieren, selbst nachdem ich ein Jahr später mein eigenes Netzwerk aufgebaut hatte. Ich musste nicht lange warten, bis die ersten Neider und Verräter auftauchten. Oft kamen sie sogar aus unseren eigenen Reihen, weil sie nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie ihrer Meinung nach verdient hätten.

Das “GiE”-Projekt von Gracie Concepts® (Garages in Europe) ist nun eine Erweiterung unserer Bemühungen, authentisches BJJ in vielen Regionen zu fördern. Die Gründung einer eigenen Schule (Dojo) erfordert erhebliche Investitionen: sei es für dein eigenes Training und deine Weiterbildung als Trainer/Lehrer, für das Dojo selbst mit Matten, Umkleideräumen und anderer Infrastruktur oder für laufende Kosten wie Miete, Wasser, Strom usw. Deshalb gibt es dieses Modell, das es dir ermöglicht, schnell einen Trainingsraum zu sichern, bei dem Kosten und Aufwand relativ gering und überschaubar bleiben.

Demetrio & Franco – Vacirca Brothers, Gracie Jiu-Jitsu Zuerich 1995

Dank meiner neuen Gracie Concepts® Online University kann ich angehenden und aktiven Trainern/Lehrern einen erstklassigen Lehrplan anbieten, damit sie über ein solides und gut strukturiertes Unterrichtsprogramm verfügen. Ab dem braunen Gürtel gibt es zudem die Möglichkeit, darüber hinauszugehen, und dank eines Programms namens “Alternatives” erwerben die Jiu-Jitsu-kas zusätzliches Fachwissen aus unserer GJJ-Familie. Tatsächlich schlagen wir zwar eine Lehrmethode vor, verlangen aber nicht unbedingt, dass sie 1:1 befolgt wird, da die Bedürfnisse meiner Mitglieder/Schüler nicht dieselben sind wie die meiner BJJ-Kollegen in den USA, Grossbritannien oder Deutschland. Es ist jedoch wichtig, dass die Grundprinzipien nicht verletzt werden, da man sonst kein Gracie Jiu-Jitsu unterrichtet, sondern eher ein “massgeschneidertes” Jiu-Jitsu.

Viele glauben, sie würden BJJ machen, nur weil sie Ringen trainieren, ein paar Jiu-Jitsu-Submission-Techniken lernen und ein paar Judo-Würfe einbauen. Aber das ist nicht der Fall! Was sie machen, ist eine “Mischung aus…”, und meiner Meinung nach hat das nichts mit BJJ zu tun. Wenn das so wäre, könnte jeder Krav-Maga-Trainer behaupten, er sei BJJ-Schwarzgurt oder BJJ-Trainer, weil er auch Wrestling, Judo und KM trainiert – schliesslich beinhaltet KM auch Grappling. Aber so einfach ist es ganz sicher nicht!

In den kommenden Monaten werde ich noch ein paar Zeilen über unser Gracie Concepts® GiE-Projekt schreiben. Ich beantworte auch gerne jederzeit Fragen, falls jemand mehr darüber erfahren möchte.

Ich freue mich immer über dein Feedback.

– Franco Vacirca